Weißstörche im Kreis Paderborn

Nach über einem halben Jahrhundert Unterbrechung brüten seit 2007 alljährlich wieder wilde Weißstörche im Kreis Paderborn. Seither nahm der Brutbestand kontinuierlich zu. Inzwischen gehört es in vielen Bereichen von Salzkotten, Delbrück und Hövelhof wieder zu einem gewohnten Bild, dass Störche im Frühjahr und Sommer bei der Feldarbeit der Landwirte hinter den landwirtschaftlichen Maschinen laufen, um dort nach Nahrung zu suchen.

Das Jahr 2018 war für die Weißstörche im Kreis Paderborn ein erfolgreiches Jahr: Insgesamt 42 Weißstorch-Paare haben ein Nest bezogen und gebrütet. 34 Paare zogen erfolgreich Junge auf, wobei insgesamt 83 Jungstörche flügge wurden. Bei 8 Weißstorch-Paaren blieb die Brut erfolglos.

Die Weißstörche brüten auf Nestplattformen auf Masten oder Dächern, die von Privatpersonen oder durch die Naturschutz-Stiftung Senne errichtet wurden. Bei der Wiederbesiedlung des Kreises Paderborn haben sich viele Storchenpaare unmittelbar neben privaten Volieren, in denen zahme Störche gehalten werden, angesiedelt. Die zahmen Störche veranlassten offensichtlich ihre wilden Artgenossen, sich in ihrer Nachbarschaft neben den Volieren niederzulassen. Die Neuansiedlungen der letzten Jahre befanden sich jedoch erfreulicherweise fast alle abseits von Volieren, zumeist in der Umgebung von Naturschutzgebieten der Ems- bzw. Lippeniederung. Im Südkreis Paderborn brüten keine Weißstörche.

Auch landesweit ist die Bestandsentwicklung des Weißstorchs weiterhin positiv. Nachdem der nordrhein-westfälische Weißstorch-Bestand im Jahr 1990 einen Tiefpunkt mit nur noch drei Brutpaaren im Kreis Minden-Lübbecke erreicht hatte, stieg deren Zahl danach Dank intensiver Schutzbemühungen allmählich wieder an. Im Jahr 2018 siedelten landesweit schon 329 Weißstorch-Brutpaare (Quelle: Landes-Arbeitsgemeinschaft Weißstorch NRW).

Da der Weißstorch inzwischen nicht mehr als gefährdete Art anzusehen ist, beabsichtigt die Naturschutz-Stiftung Senne zukünftig keine zusätzlichen Nestplattformen mehr aufzustellen (bzw. nur noch in begründeten Ausnahmefällen). Die vorhandenen Storchennester sollen aber auch zukünftig betreut werden.

Wie schon in den Vorjahren wurden auch im Jahr 2018 Jungstörchen im Kreis Paderborn spezielle Ringe der Vogelwarte Helgoland angelegt. Die Beringung erfolgte durch Michael Jöbges, Leiter der „Landes-Arbeitsgemeinschaft Weißstorch NRW“. Insgesamt erhielten 37 Jungstörche in 14 Nestern einen ultraleichten Kunststoffringen an einem Bein. Mit einer Hebebühne, die von der Naturschutz-Stiftung Senne gemietet wurde, konnten die teilweise recht hohen Nester erreicht werden. Die noch nicht flugfähigen Jungstörche fallen bei Annäherung an das Nest in eine Bewegungsstarre („Akinese“), ein typischer Schutzreflex. Auf den Ringen der Vogelwarte sind Zahlen und Buchstaben eingeprägt, die mit Hilfe von Fernrohren oder Teleobjektiven auch im Freiland abgelesen werden können. So kann beispielsweise ermittelt werden, wo die Jungstörche den Winter verbringen oder wo sie sich in den nächsten Jahren ansiedeln.

Am 19.06.2018 begleitete Professor Dr. Kaus Töpfer (Schirmherr der Naturschutz-Stiftung Senne) die Beringung von Jungstörchen in Hövelhof.

Professor Klaus Töpfer (Schirmherr der Naturschutz-Stiftung Senne)  und Michael Jöbges (Landes-AG Weißstorch NRW) bei der Beringung von Jungstörchen in einem Nest bei Hövelhof. Foto: Westfalen-Blatt.