Weißstörche im Kreis Paderborn

Nach über einem halben Jahrhundert Unterbrechung brüten seit 2007 wieder wilde Weißstörche im Kreis Paderborn. Seither nahm der Brutbestand – nicht zuletzt Dank des Engagements der Naturschutz-Stiftung Senne – kontinuierlich zu. Inzwischen gehört es in vielen Bereichen von Salzkotten, Delbrück und Hövelhof wieder zu einem gewohnten Bild, dass Störche im Frühjahr und Sommer bei der Feldarbeit der Landwirte hinter den landwirtschaftlichen Maschinen laufen, um dort nach Nahrung zu suchen.

Das Jahr 2016 war für die Weißstörche im Kreis Paderborn ein sehr erfolgreiches Jahr: Insgesamt 33 Weißstorch-Paare haben ein Nest bezogen und gebrütet, d.h. 9 Paare mehr als im Vorjahr. 28 Paare zogen erfolgreich Junge auf, wobei insgesamt 72 Jungstörche flügge wurden. Bei 5 Weißstorch-Paaren blieb die Brut erfolglos.

Die meisten Störche siedelten in Delbrück und Salzkotten. Erstmals brütete auch ein Paar erfolgreich in Hövelhof. In Paderborn-Marienloh siedelte seit den 1990er Jahren ein fütterungsabhängiges, freifliegendes Paar, welches dort im Rahmen einer Privatinitiative angesiedelt worden war. Im Jahr 2016 starb das Weibchen dieses alteingesessenen Paares. Das Männchen verpaarte sich mit einem Wildvogel und das Paar brütete erfolgreich. Ein zweites Paar siedelte in unmittelbarer Nähe, jedoch blieb dessen Brut erfolglos.

Die Weißstörche im Kreis Paderborn brüten auf Nestplattformen auf Masten oder Dächern, die von Privatpersonen oder durch die Naturschutz-Stiftung Senne errichtet wurden. Bei der Wiederbesiedlung des Kreises Paderborn haben sich viele Storchenpaare unmittelbar neben privaten Volieren, in denen zahme Störche gehalten werden, angesiedelt. Die zahmen Störche veranlassten offensichtlich ihre wilden Artgenossen, sich in ihrer Nachbarschaft neben den Volieren niederzulassen. Die Neuansiedlungen der letzten Jahre befanden sich jedoch erfreulicherweise fast alle abseits von Volieren, zumeist in der Umgebung von Naturschutzgebieten der Ems- bzw. Lippeniederung.

Auch landesweit ist die Bestandsentwicklung des Weißstorchs weiterhin positiv. Nachdem der Weißstorch-Bestand in Nordrhein-Westfalen im Jahr 1990 einen Tiefpunkt mit nur noch drei Brutpaaren im Kreis Minden-Lübbecke erreicht hatte, stieg deren Zahl danach Dank intensiver Schutzbemühungen allmählich wieder an. Im Jahr 2016 waren es landesweit bereits wieder 228 Weißstorch-Brutpaare (Quelle: Landes-Arbeitsgemeinschaft Weißstorch NRW).

Auch im Jahr 2016 wurden Jungstörchen in Nestern im Kreis Paderborn spezielle Ringe der Vogelwarte Helgoland angelegt. Die Beringung erfolgte durch Michael Jöbges, Leiter der „Landes-Arbeitsgemeinschaft Weißstorch NRW“. Mit einer Hebebühne, die jeweils von der Naturschutz-Stiftung Senne gemietet wurde, konnten die teilweise recht hohen Nester erreicht werden. Die noch nicht flugfähigen Jungstörche fallen bei Annäherung an das Nest in eine Bewegungsstarre („Akinese“), ein typischer Schutzreflex. Auf den ultraleichten Kunststoffringen der Vogelwarte sind Zahlen und Buchstaben eingeprägt, die mit Hilfe von Fernrohren oder Teleobjektiven auch im Freiland abgelesen werden können. So kann beispielsweise ermittelt werden, wo sich die Jungstörche in den nächsten Jahren ansiedeln.